Die Kinder von Silivas

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Rund zehn Kilometer von Ocna Mures (in Siebenbürgen) entfernt liegt der Ort Silivas.

40 kleine Hütten aus Lehm –  10, 15, höchstens 20 Quadratmeter groß. Viele Dächer sind nur mit Plastikfolien gedeckt. In den
Hütten leben neun, zehn oder auch elf Personen, die meisten sind Kinder. 300 bis 400 Menschen sollen in Silivas leben.

Die Hütten sind ohne Wasser, ohne Sanitäranlagen und meistens ohne Strom.
Seit der Salzabbau eingestellt wurde, gibt es für die Menschen hier
keine Arbeit mehr. Eigenes Land haben sie nicht. Der Boden, auf dem ihre Lehmhütten stehen, gehört dem Staat Rumänien. Es ist unfruchtbares Land, deshalb werden die Menschen hier geduldet. Niemand kümmert sich um sie und deshalb weiß auch niemand, wie viele hier leben.

 


Im Juli 2015 haben wir Silivas besucht. Pastor Nico Gatea und Heimleiter Attila Pal aus Ocna Mures kümmern sich um die Menschen, die von allen vergessen wurden. Es herrscht bittere Armut in dem Ort. Nur manche Hütten haben eine Feuerstelle. In den klirrend kalten Karpatenwintern  erfrieren manchmal Kinder hier im Dorf Silivas. Pastor Nico erzählt, dass die Familien in der kalten Jahreszeit Autoreifen verbrennen, um ein wenig zu heizen. Dann wärmen sich Kinder im Rauch des brennenden Gummis.

Im EU-Land-Rumänien, keine 1.500 km entfernt.


Pastor Nico und sein Team versuchen, zu helfen. Sie versorgen die Kinder, wenn möglich, einmal täglich mit Nahrung. Bei unserem Besuch gab es einen Hähnchenschenkel mit Brot und Krautsalat, dazu eine Tasse Wasser. Doch die Mittel sind begrenzt. 

An den anderen Tagen bekommen die Kinder ein Stück Brot von ihren Eltern – vielleicht! Vielleicht hungern sie auch. Nicht alle Kinder nehmen am gemeinsamen Mittagessen teil. Manche Eltern schicken ihre  kleinen Sprösslinge mit einem Gefäß zur Essensausgabestelle, um für die ganze Familie Nahrung zu beschaffen.
So begegneten uns dreijährige Kinder mit einem kleinen Eimerchen voller Essen und etwas Brot auf dem Weg zu ihren Eltern.
Einen Anblick, den wir nicht vergessen werden.
Viele Kinder sind unterernährt. Sie waren noch nie bei einem Arzt und sie sind gegen nichts geimpft. Sie leben im Schmutz. Noch nie haben sie
geduscht, noch nie mit Zahnpasta die Zähne geputzt. Ihre Kleidung sind Spenden, die der Verein Hilfstransporte + Waisenhilfe e.V. erhält.
Die Kinder besitzen häufig nur das, was sie anhaben. Bei unserem Besuch war es 35 Grad warm. Wie mag es den Kindern gehen, wenn es schneit und –20 Grad kalt ist? Wir können jetzt nachvollziehen, dass einige Kinder die Kälte und den Hunger nicht überleben.


Wir haben mit den Kindern gespielt. Das Miteinander hat einen unglaublichen Eindruck bei uns hinterlassen. Die Kinder sind aufgeschlossen, lassen sich fotografieren und in den Arm nehmen. Sie scheinen fröhlich zu sein, unbeschwert – wie andere Kinder auch.
Aber es ist nicht die Unbeschwertheit anderer Kinder. In den Augen der Kinder von Silivas – auch der Kleinsten – können wir erkennen, wie das Leid seine Spuren hinterlässt. Auch wenn sie lachen!
Ohne Pastor Nico und seinem Team haben diese Kinder keine Chance auf ein menschenwürdiges Leben. Ohne uns können sie nicht helfen.

Da die meisten Dächer lediglich mit Plastikfolien oder alten LKW Planen abgedeckt waren wurde im Frühjahr 2017 eine größere Spendenaktion gemeinsam mit ehrenamtlichen Helfern von H&W ins Leben gerufen, mit dem Ziel alle betroffenen Häuser fachmännisch zu bedachen. Über Monate hinweg arbeiteten ein Zimmermann mit Gehilfe, sowie Heimleiter Attila Pal mit freiwilligen Helfern an dem Projekt. 2018 konnte das Projekt schließlich abgeschlossen werden, inzwischen sind 44 Häuser mit neuen Dächern und zum Großteil auch Kaminen ausgestattet.

 

Mit diesem Projekt hat sich auch die Situation im Dorf verbessert; die Bewohner sind freundlicher im Umgang untereinander und führen auch einen ordentlicheren Lebensstil.


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